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Aktualisiert: Juni 5

Artenschutz in Deutschland


Der Artenschutz ist in den Medien omnipräsent. Doch was ist Artenschutz überhaupt und wie funktioniert er? Welche gesetzlichen Instanzen regeln den Artenschutz und welche Institutionen sind mit ihm beauftragt? Welche Werkzeuge gibt es zur Umsetzung eines nachhaltigen Artenschutzes?


Tiere und Pflanzen werden in besonders geschützte und streng geschützte Arten unterschieden, wenn ihr Fortbestand bedroht ist. Es handelt sich hierbei keineswegs ausschließlich um empfindliche Exoten, sondern häufig um Arten, welche uns aus Kindertagen eng vertraut und in unseren Breiten heimisch sind. Inzwischen gelten 35 % der Tier- und 26 % der Pflanzenarten in Deutschland als bestandsgefährdet. Dabei kann jeder bereits durch kleine Veränderungen zum Schutz gefährdeter Arten beitragen.


Was ist Artenschutz?


Unter Artenschutz versteht man den Schutz und die Pflege bestimmter wilder Tier- und Pflanzenarten in ihrer natürlichen Vielfalt. Dies umfasst auch den Erhalt der Lebensräume (Biotope). Das übergeordnete Ziel des Artenschutzes ist der Schutz der biologischen Vielfalt (Biodiversität).


Wie ist der Artenschutz gesetzlich geregelt?


Verschiedene Gesetze und Abkommen auf internationaler und nationaler Ebene regeln die gesetzliche Umsetzung aller Bemühungen zum Artenschutz. Die Bedeutung des Artenschutzes hinsichtlich des übergeordneten Umweltschutzes regelt das Bundesnaturschutzgesetz (BuNatSchG).


Es entscheidet darüber, welche gefährdete Arten als besonders geschützt oder streng geschützt eingestuft werden. Diese Kategorisierung entscheidet über Art und Umfang der Schutzmaßnahmen. Das Bundesnaturschutzgesetz bestimmt die Eingriffsregelungen (CEF-Maßnahmen), welche beispielsweise über das Vorgehen bei baulichen Maßnahmen entscheiden.


Die Bundesartenschutzverordnung, die Vogelschutzrichtlinie der EU, die EU Artenschutzverordnung (setzt das Washingtoner Artenschutzabkommen auf europäischer Ebene um) sowie die FFH-Richtlinien der EU sind Grundlagen für die Gewährung eines offiziellen Schutzstatus.


Wie ist der Artenschutz organisiert?


Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) ist mit der Durchsetzung internationaler und nationaler Gesetze, z. B. des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) beauftragt. Es beschließt Beschränkungen der Entnahme oder untersagt Beeinträchtigungen geschützter Arten und Biotope. Zudem ahndet es den Besitz und die Vermarktung gefährdeter Arten. Des Weiteren setzt das Bundesumweltministerium Vorschriften zum Umgang mit invasiven oder gebietsfremden Arten sowie zur Genehmigung von Zoo- und Tiergehegen um.


Das Bundesamt für Naturschutz ist die wissenschaftliche Behörde, welche die Bemühungen des Bundesumweltministeriums in die Praxis umsetzt. Das Bundesamt für Naturschutz unterhält Monitoring-Zentren, erstellt Zustandsberichte für einzelne Biotope, führt Erfolgskontrollen durch, veranstaltet Fachforen und bietet im Rahmen der Naturschutzakademie Tagungen, Seminare und Fortbildungen an.


NGOS sind nicht-staatliche Organisationen, welche die Umsetzung unterschiedlichster Maßnahmen zum Artenschutz unterstützen. Auf lokaler Ebene sind die Ortsverbände des NABU eine der wichtigsten Institutionen im deutschen Artenschutz. Sie sind auf lokale Besonderheiten von Flora und Fauna spezialisiert. In verschiedenen Projekten widmen sie sich dem Schutz ökologischer Nischen oder realisieren konkrete Schutzmaßnahmen für heimische Arten. Ehrenamtler haben die Möglichkeit sich sinnvoll einzubringen und werden mit offenen Armen empfangen.



Wie funktioniert der Artenschutz?


Über den Gefährdungsstatus einer Art oder eines Lebensraums gibt die Rote Liste Aufschluss. Sie wurde 1966 erstmals in englischer Sprache durch die IUCN (Intern Union for Conservation of Nature and natural ressources) herausgegeben. In Deutschland erschien die Rote Liste gefährdeter Tier-, Pflanzen- und Pilzarten erstmals in den Jahren 1996 bzw. 1998. Sie wird in einem Turnus von zehn Jahren unter Regie des Bundesministeriums neu erstellt.


Die verschiedenen Kategorien der Roten Liste erlauben die Einstufung einer Art anhand ihres Gefährdungsgrads:

0 = ausgestorben oder verschollen

1 = vom Aussterben bedroht

2 = stark gefährdet

3 = gefährdet

R = extrem selten

G =Gefährdung unbekanntes Ausmaßes

D = Daten unzureichend

V = Vorwarnliste

* = ungefährdet

- = kein Nachweis, nicht etabliert

# = nicht bewertet


In Artenschutzprogrammen werden Konzepte zum Schutz gefährdeter Populationen und Biotope entwickelt und umgesetzt. Zu den direkten Maßnahmen zählen beispielsweise Nachzuchtprogramme oder die Wiederansiedlung von Arten in ihren bisherigen Lebensräumen. Sie sollen das Aussterben einer Art oder die nachhaltige Zerstörung eines Lebensraums verhindern.



Was ist eine Artenschutzprüfung?


Das dreistufige Verfahren der Artenschutzprüfung findet im Zuge von Baugenehmigungen und sonstigen Eingriffen in Naturräume statt. Auch das Fällen alter Bäume oder der Abriss maroder Gebäude erfordert die Durchführung einer solchen Prüfung. Als Entscheidungsgrundlage dienen eigene Unterlagen oder ein in Auftrag gegebenes Artenschutzgutachten.


In einer Vorprüfung werden zunächst das Artenspektrum sowie die Wirkfaktoren des Vorhabens geprüft. Auf der folgenden Ebene wird ausführlich untersucht, ob die Umsetzung den Verstoß gegen bestimmte Verbote impliziert. Auch zu den Effekten von Ausgleichsmaßnahmen und Strategien zum Risikomanagement wird hier eine Prognose getroffen. Im letzten Schritt wird geprüft, ob Ausnahmeregelungen zur Anwendung kommen. Zum Schluss erfolgt die Genehmigung oder Ablehnung der Baugenehmigung ggf. unter der Bedingung bestimmter Auflagen.



Welche Arten sind in Deutschland gefährdet?



Eine Vielzahl heimischer Arten ist in Deutschland gefährdet. Dazu zählen vornehmlich „normale“ Arten, mit denen wir seit Kindertagen vertraut sind und deren Bestände erst in jüngerer Vergangenheit massiv zurückgegangen sind.


Schwer betroffen von der Verringerung ihrer Populationen sind zahlreiche bestäubende Fluginsekten. Einzelne Arten von Wespen, Hummeln und Wildbienen sind inzwischen stark gefährdet. Dies ist umso dramatischer, als dass sie ein wichtiges Element im empfindlichen ökologischen Gleichgewicht darstellen.


Wespen beispielsweise dienen einerseits anderen Arten als Nahrungsquelle. Gleichzeitig fressen sie jedoch auch selbst Schädlinge, z. B. Unmengen an Stechmückenlarven, Blattläuse und Raupen. Unterarten wie die Kreiselwespe oder die Knopfhornwespe sind besonders gefährdet. Nicht nur sie selbst dürfen weder gestört, noch verletzt oder getötet werden. Auch das unerlaubte Entfernen ihrer Nester wird mit mehreren zehntausend Euro Bußgeld geahndet.


Auch das Fangen und Töten von Maulwürfen sollte man nicht nur von Gesetzes wegen tunlichst unterlassen. Der nützliche Helfer frisst Engerlinge, Schnecken und Schnakenlarven. Um ihn loszuwerden ist lediglich der Einsatz von Verbrämungsmethoden gestattet. Da der Maulwurf empfindlich auf Geräusche und Erschütterungen reagiert, genügt meist bereits eine regelmäßige Nutzung des Gartens, damit der Maulwurf nach einem ruhigeren Habitat Ausschau hält.


Sich zunehmend verschlechternde Bedingungen findet in städtischen Gärten der Igel vor. Sterile Steingartenwüsten bieten wenige bis keine Unterschlupfmöglichkeiten und Nahrung. Gerade zu Beginn des Winters finden Igel oftmals nicht ausreichend Futter, um den kommenden Winter zu überleben.


Warum sind Arten vom Aussterben bedroht?


Die Ursachen für das Aussterben von Arten sind so vielfältig wie die Tierwelt selbst. Der Expansionsdrang des Menschen hat die natürlichen Lebensräume für Tiere drastisch reduziert. Vor allem in urbanen Gegenden herrscht ein Mangel an unbewirtschafteten Grünflächen, Brutstätten und Schutzräumen.


Für das um sich greifende Insektensterben ist vornehmlich die intensive Landwirtschaft mit ihrem Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden verantwortlich. Bereits heute ist die Verwendung von Glyphosat an den Ufern von Gewässern untersagt; ab 2023 soll das Produkt ganz verboten sein. Doch diese Bemühungen sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Ständige Neuentwicklungen und juristische Schlupflöcher erschweren die Umsetzung eines konsequenten und nachhaltigen Umweltschutzes erheblich.


Gelegentlich ist auch das Einschleppen oder die Einfuhr einer fremden Art verantwortlich für die Gefährdung oder das Aussterben einer anderen. Die Dezimierung der Bestände einer Art zieht oft einen Dominoeffekt nach sich und wirkt sich auf die Lebensbedingungen oder den Fortbestand anderer Arten aus.


Was kann ich als Einzelperson tun?


Eine Einzelperson kann mit minimalem Aufwand Großes bewirken. Natürlichen Gärten ist der Vorzug vor Kiesbeeten zu geben. Pflanzen mit unterschiedlichen, sich ergänzenden Blühzeiten bieten Insekten ein nahezu ganzjähriges Nahrungsangebot. Im Sommer sind Vögel und Insekten für eine Tränke dankbar. Auch ein Schälchen mit Wasser erfüllt diesen Zweck. Abgeschnittene Scheibchen von einem Weinkorken, welche auf dem Wasser treiben, retten Insekten vor dem Ertrinken. Insektenhotels und Vogelhäuschen eignen sich auch für jeden noch so winzigen Balkon.


Im Herbst nutzen Igel liegengelassene Haufen aus Laub und Reisig dankbar als Winterquartier. Mähroboter sind hingegen eine Todesfalle: Da Igel keine Fluchttiere sind, rollen sie sich bei Gefahr zusammen. Dabei werden sie vom Gartenhelfer überrollt und getötet. Zu Winterbeginn benötigen Igel lediglich dann Hilfe, wenn sie apathisch, bewegungslos, inaktiv oder sonst wie krank wirken. Bei einem Gewicht von unter 500 g im November ist der Igel alleine nicht überlebensfähig.


Mit Holzwolle oder Stroh gefüllte Tontöpfe mittlerer Größe lassen sich zum Winterquartier für Siebenschläfer umfunktionieren. Mit der Öffnung nach unten in Höhe der Strauchschicht gehängt, entsteht so ein Schutzraum für den gefährdeten Kleinsäuger.


Wer sucht, der findet … viele andere gute Ideen sind auf folgenden Seiten zu finden:


https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/grundlagen/vielfalt/na


https://www.bund-naturschutz.de/oekologisch-leben/naturgarten




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